Versteckspiel – Lifestyle, Symbole & Codes von Neonazis und extrem Rechten

Die neue Versteckspiel-Broschüre der Agentur für soziale Perspektiven ist da! Als vor 15 Jahren die 1. Ausgabe erschien, da war ich gerade erst nach Berlin gezogen. Und eines der ersten Konzerte in meinem neuen Zuhause war Koyaanisqatsi und Kassiopeia im Supamolly. Der Zeitgeist-Sound von damals findet sich auf dem wunderbaren Turn It Down Sampler, auf dem neben den genannten u.a. auch noch El Mariachi, Highscore und Escapado zu hören sind.

Das Versteckspiel gehört von Beginn an zum festen Bestandteil der politischen (Jugend-) Bildung und ist über die Jahre zu dem Nachschlagewerk schlechthin geworden, wenn es um Symbole und Codes der extremen Rechten geht. In der nunmehr 14. Auflage finden sich auf 70 Seiten zahllose Fotos von Neonazi-Demos, Konzerten, usw., immer mit den dazu gehörigen Erläuterungen und diversen Hintergrund-Infos.

Es wird auf alle derzeit relevanten Szenen und zentralen Ideologie-Elemente eingegangen, wobei „sich allenfalls ein grobes Raster zeichnen [lässt]. Denn das Patchwork aus Szenen, Styles und Symbolen ist heute in der extrem Rechten fast typischer als althergebrachte Eindeutigkeiten.“

Ich finde es generell wichtig, nicht zuletzt aber auch in der Sozialen Arbeit, dass man bei schwierigen Themen nicht in eine Problem-Trance verfällt, sondern nach der Analyse in die Lösungsfindung geht. So sehen die Herausgeber_innen es offenbar auch, denn sie haben ans Ende der Broschüre ein ermutigendes Statement gestellt, das für eine klare Haltung im Umgang mit rechten Symbolen und Leuten die sie tragen, plädiert.

Und was ich persönlich eh immer mag, ist, wenn bei aller angemessenen Ernsthaftigkeit nicht der Humor auf der Strecke bleibt. Insofern schätze ich den Blick fürs Detail bei der Auswahl der Bilder sehr. Mein Highlight ist hier ganz klar der Typ, der sein T-Shirt hochzieht, um zu gucken, ob seine Schwarze Sonne noch auf der Plautze zu sehen ist oder ob der Tätowierer doch nur mit Henna gemalt hat.

A4 | 70 Seiten | August 2017 | 9,- € | asp – agentur für soziale perspektiven | dasversteckspiel.de

Auf dem Plattenteller dreht sich beim Schreiben die eingangs schon abgefeierte Turn It Down – LP von 2004.

PS: Lieber Mike Menzel (klang-bild.net), wann bist Du eigentlich wieder da? Meine Handy-Fotos sind viel zu schrottig für dieses Internet…